Herz Jesu, Trost der ganzen Welt

Im Jahre 2010 gab es in der Bischofsstadt Eichstätt eine Ausstellung „Open HeArt“, bei der 28 Kunstschaffende aus der „Region 10“ den öffentliche Raum der Altmühlstadt mit verschiedensten Objekten bespielen konnten. Nahe der ehemaligen Klosterkirche Notre Dame du Sacré Coeur, 1719 ge-schaffen nach den Plänen des genialen Baumeisters aus Graubünden Gabriel de Gabrieli, fand die große Skulptur „Sacré Coeur“ (siehe Titelbild) des Eichstätter Bildhauers Raphael Graf, geb. 1968, an einem historischen Brunnen Aufstellung.
„Ich hab ein Herz für dich“
Wir erkennen ein Herz, weit geöffnet die beiden Herzhälften. Die Blutbahnen sind in der rechten Hälfte in Rot gehalten, während jene in der linken Hälfte blau gefasst wurden. Das Herz gilt als unser wichtigstes Organ, das den Blut-kreislauf im Körper gewährleistet und damit die Versorgung der weiteren Organe einschließlich des Gehirns mit Blut sichert. Aus diesem Grund erkennt das menschliche Bewusstsein die Mitte einer Person im Herz und verortet dort auch das Zentrum unserer Gefühle und Regungen, was freilich so nicht zutrifft. Dennoch sprechen Redewendungen wie „Ich hab ein Herz für dich“ oder „Dir gehört mein ganzes Herz“ eine deutliche Sprache. Und Herz-Emojis wollen in den sozialen Netzwerken zum Ausdruck bringen, dass jemand seine Liebe einer Person widmet. So geht von der Skulptur von Raphael Graf vor dem Hintergrund des Brunnens mit Maria samt dem Jesuskind eine starke Botschaft aus: Seht, so groß ist die Liebe Gottes, die auf uns überfließt in der Menschwerdung seines Sohnes Jesus Christus aus Maria. Dieser Skulptur wohnt für mich mehr Ausdruckskraft inne als einer überkommenen Herz-Jesu-Figur, die oft sehr vordergründig wirkt.
„Herz Jesu“ als Pforte der Liebe Gottes auf dem Weg zu uns Menschen
Bald nach Pfingsten, am Freitag, 11. Juni 2021, feiern wir das Herz-Jesu-Fest. Seine Ursprünge liegen im Johannesevangelium. Nach der Kreuzigung Jesu stieß ein Soldat mit einer Lanze in seine Seite „und sogleich floss Blut und Wasser heraus“ (Joh 19,34). Schon sehr früh wurde das Herz Jesu als Symbol seiner Menschheit und als Ausdruck seiner besonderen Liebe zu den Menschen gedeutet: die geöffnete Seite Christi – seine anatomische Herzmitte – als Pforte der Liebe Gottes zu uns Menschen, aus der für die Kirche die Sak-ramente entspringen; das Blut als Symbol für die Eucharistie, das Wasser als Zeichen für die Taufe.
Wir sind nicht mit uns selbst allein
Das Herz-Jesu-Fest zeigt, dass Gott ein Herz für uns hat. In der Welt geht es oft um Berechnung; aber das geht am wahren Menschsein vorbei. Wir seh-nen uns danach, angenommen zu sein. Der Philosoph Martin Heidegger spricht ernüchternd davon, dass der Mensch „geworfen sei in das Sein“. Als Christen dürfen wir etwas anderes bekennen: Wir sind von Gott geliebt. Die-se Wahrheit drücken wir aus, wenn wir sagen: „Gott hat ein Herz für uns.“

Helles Lied in dunkler Zeit
1934, in der Zeit der dunklen Ideologie des Nationalsozialismus, entstand ein bekanntes Herz-Jesu-Lied, das wir im Gotteslob bei der Nummer 371 finden. Die Melodie, komponiert von Adolf Lohmann, schreitet rhythmisch ruhig dahin, greift vom Tonumfang jedoch weit aus, scheint sich zwischenzeitlich fast zu verlieren, um dann doch glücklich zum Ausgangspunkt zurück zu kehren. Sie schenkt in aller Bedrohung das Gefühl der Geborgenheit, so verhilft das Lied den Singenden zur Zuversicht auch in augenscheinlicher Ungewissheit. Der Text stammt von Franz Johannes Weinrich, einem hochbegabten Schriftsteller. Er hat sich zu dem Lied anregen lassen durch Eindrücke aus der Heiligen Schrift – so die Geschichten von der Kreuzigung unseres Herrn und durch das Bild vom Brandopfer, das Gott im Tempel dargebracht wurde:
„Herz Jesu, Gottes Opferbrand, der unsre Lieb‘ entfachte!
O Herz, in Nacht zu uns gesandt, als Schuld den Tod uns brachte!
Wir stachen dich mit Spott und Wut, du tauftest uns mit deinem Blut.
Nun müssen wir dich lieben.“

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