Schnee fällt über Ittling

Weihnachten, Neujahr, Dreikönig – die weihnachtlichen Tage liegen schon hinter uns. Zu den inneren Bildern unserer Seele gehört dazu Schnee. Das „Wintermärchen“ wurde uns jedoch dann erst danach beschert. Klar, dass die Botschaft der weihnachtlichen Tage nicht abhängig ist von der weißen Pracht. Zudem wird das „historische Weihnachten“ – so man überhaupt davon sprechen kann – auch ohne Schnee ausgekommen sein.
Sehnsucht nach „weißer Weihnacht“ als innere Seelenlandschaft
Und dennoch: Die „weiße Weihnacht“ geht uns nicht aus dem Sinn. Schnee fällt. Die Weite des Raums ist erfüllt von den langsam hinabschwebenden Flocken. Mit ihnen legt sich Stille über das Land. Stille schafft den Raum, auf das zu hören, was aus unserem Innersten kommt. Der Schneeteppich breitet sich über den Boden. Asphaltierung, Pflasterung und die Spuren landwirt-schaftlicher Nutzung werden unsichtbar. Die einheitlich weißen Flächen wirken wie ein abstrakter Urzustand. Niveauunterschiede des Bodens werden von den weißen Massen ausgeglichen. Mit Straßen und Wegen verschwindet unter dem Schnee auch manche Grenzziehung von Menschenhand. Großzügigere Flächen bieten sich dem Blick dar. Mancherorts entsteht der Eindruck von entgrenzter Weite. Eine Ahnung wird wach, dass unter allen Grenzen die eine Erde liege. Dass wir alle trotz der vielen Dinge, die uns trennen, Kinder Gottes sind, die eine große Menschheitsfamilie. So können wir den Traum des Schöpfers von dieser Welt erspüren.
Wunderbare Wandlung durch Schnee
Schnee verleiht dem Erscheinungsbild eines Landstriches oder einer Ortschaft einen neuen Charakter. Lichtvolle Helligkeit tritt an die Stelle von dumpfem Wintergrau. Die gewaltige Wandlung vollzieht sich lautlos und sanft – ein Vorgang mit starker Symbolkraft. Man fühlt sich an Gleichnisse Jesu erinnert: Die Herrschaft Gottes geht von unscheinbaren Anfängen aus, so wie aus einem Senfkorn ein mächtiges Gewächs wird (Mk 4,30-32). Sie setzt sich durch, wie eine Saat unmerklich aufgeht und reift (Mk 4,26-29). Und sie gibt ein neues Gepräge, wie ein wenig Sauerteig eine große Teigmasse durchsäu-ern kann (Mt 12,33).
„Ein Juwelier, der Schnee.
Er modelliert, wohin er fällt.
Er rundet auf und ab und übersetzt in schöne Kurven.“
So heißt es in einem modernen Wintergedicht von Durs Grünbein (geb. 1962).
Als Traumvorstellung mag uns in den Sinn kommen, dass das Harte weich wird, das Verletzende ebenso, zwischen den Menschen und in uns selbst. Auch unter Schneeschichten bleibt manchmal die Gestalt der Dinge mit ihrem typischen Umriss erhalten. Die Individualität wird bewahrt. So darf auch der Mensch sich in seiner Einzigartigkeit angenommen wissen von Gott.

Hier sind einige winterliche Impressionen aus Ittling zu sehen. Wenn Sie uns Fotos zusenden möchten, die dazu passen und hier veröffentlicht werden dürfen, können Sie diese uns unter ittling@bistum-regensburg.de gerne mailen.

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